Mai 2026
Liebe Leserinnen, lieber Leser, der Monat Mai war mal wieder ein ereignisvoller Monat. Viele Eindrücke, Schmerz, Leid, Verlust, Rettungsaktionen und Hilferufe haben uns begleitet.

Liebe Leserinnen,
Lieber Leser,
Der Monat Mai war mal wieder ein ereignisvoller Monat. Viele Eindrücke, Schmerz, Leid, Verlust, Rettungsaktionen und Hilferufe haben uns diesen Monat begleitet. Wir mussten mit Tränen kämpfen und zwischen Leid und Leben entscheiden. Wir haben Seelen gerettet, die sonst an ihrem Leid zerbrochen wären. Wir Tierschützer von Animal Police setzen uns für jedes Tier ein und dabei vergessen wir uns ganz oft selbst.
Die Finca Noah 2.0 ist gewachsen.
Ein Shetlandpony aus miserabler Haltung erfreut sich gerade daran, die Finca zu erkunden, wobei er nur eines im Kopf hat. Futter, Futter, Futter … oder fressen, fressen, fressen. Wir haben ihn Bruce Willis genannt, er soll ja schließlich zu unserem vor dem Schlachter geretteten Shetlandpony Rambo passen. Wir waren schockiert, als die Türen vom Pferdetransporter aufgingen und Bruce die ersten Schritte in seinem neuen Zuhause wagte. Sein Allgemeinzustand war so besorgniserregend, dass wir gleich unsere Pferdetierärztin angerufen haben mit der Bitte, ihn schnellstmöglich anzusehen und zu behandeln. Bruce bestand nur aus Fell, Mähne und Haut. Wir haben uns nicht mal getraut, ihn von seinem Winterfell zu befreien, vielleicht aus Sorge, dass man seine Rippen noch mehr sieht. Der üble Geruch aus seinem Mund ließ uns Schlimmes vermuten und genauso war es auch, als die Pferdezahnärztin mit schwerem Gerät zu uns kam und dem Bruce die Zähne gereinigt hat. Nachdem Bruce bei der Tierärztin so tapfer war und sich von der Zahnärztin brav die Zähne reinigen lassen hat, konnte er auch gleich den Hufschmied kennenlernen, denn das Laufen war für ihn eine Qual. Wir schimpfen ganz oft über die Einstellung und Tradition, die Spanier bzw. die Mallorquiner haben. In diesem Fall war es eine deutsche Familie, die immer noch behauptet, dass es ihm an nichts gefehlt hat. Schämt euch, ihr seid das Allerletzte!

Farah hat mich zu einem mallorquinischen Jäger mitgenommen, der die Jagdhunde Galgos, Podencos und Ibizencos in kleinen Verliesen hält. Was wir dort gesehen haben, kann ich kaum in Worte fassen. Hunde, die in ihrem eigenen Kot, auf dem kalten, dreckigen und blanken Boden sitzen, laufen und schlafen müssen. Trinken können sie nur, wenn sie ihren Kopf durch den Zaun zwängen. Das Essen, was auch immer das war, liegt im Dreck direkt auf dem Boden. Ein Frettchen, das 24 Stunden in einem Käfig eingesperrt ist. Gerade mal so groß, dass es sich darin drehen kann. Achtlos steht dieser Käfig in der hintersten dunklen Ecke. Hühnerküken leben in einer undefinierbaren Gitterbox und schreien den ganzen Tag vor Verzweiflung. Unzählige Wachteln werden an diesem schrecklichen Ort in Vogelkäfigen gehalten, wo man denken könnte, sie seien maßgeschneidert. Kein Platz zum Drehen, kein Platz zum Vorwärts- oder Rückwärtslaufen. Nicht mal hinlegen können sie sich, was sie sicher auch nicht tun würden, wenn sie es könnten, denn der eigene Kot häuft sich auf dem Boden des Käfigs. Ich musste mich einen kurzen Moment vom Anblick dieser Zustände abwenden. Etwas stieg in mir hoch und löste einfach pure Verzweiflung in mir aus. Meine Tränen konnte ich nicht mehr zurückhalten. Diese unfassbaren Zustände, Eindrücke und Bilder begleiten uns jeden Tag.
Ein kleiner Erfolg. Fünf der 26 Hunde konnten wir bereits aus den Fängen des Jägers retten. Er hat sie uns überlassen und auch persönlich gebracht. Die armen Seelen haben noch nie eine Menschenhand spüren dürfen, die einfach nur Liebe, Geborgenheit und Sicherheit vermitteln möchte. Sie sind ängstlich und vollkommen unzugänglich. Tiere sind für diesen Jäger nur Spielzeug zur eigenen Belustigung oder Befriedigung. Die älteste Hündin ist ca. 9 Jahre, was bedeutet, dass sie 9 Jahre durch die Hölle gegangen ist, missbraucht wurde zur Zuchtmaschine und zum Jagen. Der Tierschutzverein Veto arbeitet mit uns Animal Police Hand in Hand. Wir gemeinsam holen die Hunde aus dieser Hölle. Päppeln sie auf. Erarbeiten uns ihr Vertrauen mit viel Geduld. Wir suchen eine Familie, ein liebevolles Zuhause und schenken ihnen ein neues Leben — ein harter Weg für Mensch und Tier, der in der Theorie so einfach klingt. Die liebe Annelie und ihr Mann Michael kommen jeden Tag zu uns auf die Finca. Nehmen jeden Tag mehr als eine Stunde Autofahrt auf sich, um sich den Galgos zu widmen. Sie kennen diese Hunderasse bestens. Sie haben jahrelange Erfahrung mit dieser Hunderasse. Annelie und Michael sind sehr geduldige Menschen, genau das, was diese 5 geretteten Hundeseelen jetzt brauchen. Ein großes Dankeschön an dieser Stelle für die riesige Unterstützung. Stück für Stück trauen sich die Galgos mehr und mehr. Wir freuen uns über jeden kleinen Erfolg, den wir uns erarbeiten, auch wenn es nur das Nicht-Fliehen ist, wenn wir zu ihnen ins große Gehege von 2 x 100 m² hineingehen.

Das arme kleine Frettchen, in einem viel zu kleinen Käfig in der dunklen Ecke, hat jetzt das Paradies auf Erden. Der kleine trägt den Namen Manni und genießt sein neues Leben auf der Finca Noah 2.0 in einem Gehege von etwa 20 m². Mir ist der Kommentar vom Jäger so im Kopf, als er das Zuhause für Manni gesehen hat. Er sagte, das sieht sauberer, schöner, liebevoller und größer aus als sein eigenes Zuhause. Er würde dort selbst leben wollen. Vielleicht ein bisschen Hoffnung, dass der Jäger in seinem Alter sich ans Herz fasst.
Die anderen Tiere in seiner Gefangenschaft haben wir nicht vergessen. Farah hat bei ihm einen sehr großen Stellenwert. Er erwähnte immer wieder: Diese Frau ist einmalig und ich habe großen Respekt vor ihr und deshalb übergebe ich ihr diese Tiere, aber nur ihr! Sie wird es schaffen, auch diese Tiere noch zu befreien. Es fiel mir wirklich schwer, diesem Mann ins Gesicht zu sehen und zum Abschied die Hand zu geben. Aber wie sagt man so schön … Gute Miene zum bösen Spiel machen. Wir brauchen sein Vertrauen, um alle diese Tiere dort raus holen zu können. Diese Jäger haben keine Skrupel. Sie hängen die Galgos an den Bäumen auf, treten auf diese ein, bis sie sterben, lassen sie einfach verhungern und und und … Die Hühner und Wachteln werden zum Jagen benutzt. Dann haben die Tiere und wir Tierschützer verloren.
Farah hat im Jahr 2021 die asiatische Hängebauchschwein-Dame Margritt gerettet. Lange musste Farah kämpfen, um sie aus einem Mini-Käfig heraus holen zu können. Sie war jahrelang in einem Käfig nicht größer als 1,50 x 1,50 Meter eingesperrt, und das zu zweit. Nachdem Margritts Freundin verstorben ist, hatte Farah die Chance, das zweite Schwein zu retten. Farah nannte sie Margritt. Margritt konnte also endlich aus ihrem Gefängnis raus. Nach wochenlanger Erholung hat Margritt wieder Freude am Herumlaufen und Erkunden gefunden. Das lange Eingesperrtsein hinterließ Spuren. Sie hatte wenig Muskulatur, zu viel Gewicht, ihre Fußnägel viel zu lang, um damit problemlos laufen zu können. Später dann die Diagnose Rheuma/Arthrose. Die Medikamente halfen ihr, mit den Folgen einer solchen Erkrankung umzugehen. Margritt brauchte nicht viel, um glücklich zu sein. Sie liebte es zu essen, ganz genüsslich hat sie laut schmatzend ihren Teller brav leer gefuttert. Am liebsten mochte sie es, wenn es Nudeln, Brot oder Wassermelone gab. Nach dem Essen durfte man sie nicht beim Mittagsschlaf stören. Im Sommer liebte sie es, wenn eine Dusche mit dem Wasserschlauch kam. Ihre Holzvilla (2 x 2 Meter, Grundstück 1000 m²) hat sie immer gut verteidigt, das war ihr Heiligtum. Ihre tierischen Freunde wie Hühner, Enten, Gänse, Truthahn und die Pfauen hat sie zwar akzeptiert, aber wollte eher ihre Ruhe haben. Auf der Finca 2.0 hat Margritt ihr eigenes Paradies bekommen. Eine neue kleine Villa mit Umschwung, in dem sie ungestört schnarchen konnte. Sogar einen Sonnenschirm haben wir ihr gebaut. Sie schien glücklich und zufrieden zu sein. Der Frieden hielt aber nicht lange an. Ihr Gesundheitszustand war plötzlich besorgniserregend. Wir haben dreimal innerhalb weniger Tage den Tierarzt bei uns gehabt. Die Medikamente zeigten keine große Besserung, ihre Schmerzen wurden immer schlimmer. Margritt konnte nicht mehr selbstständig aufstehen und laufen. Zuletzt hatte sie noch eine schwere Infektion im Bein. Sie hat das allererste Mal nichts gefressen. Der Durchfall hat sie noch mehr geschwächt und beim Erbrechen mussten wir eine Entscheidung treffen. Lassen wir Margritt nach 16 Lebensjahren in Frieden und würdevoll gehen? Wir haben es uns wirklich nicht leicht gemacht, der Tierarzt hat uns die Entscheidung mehr oder weniger abgenommen und Margritt von ihrem Leid erlöst. Wir haben sie einäschern lassen und hoffen, sie hat jetzt ihren Frieden und jeden Tag einen Teller Spaghetti. Mach's gut, liebe Margritt. Wir vermissen dich. Jeden Morgen denke ich an dich, wenn ich das Futter zubereite. Deinen Teller nehme ich symbolisch immer noch aus dem Regal, aber er bleibt halt leer.

Der kleine Kater Findus ist mir bei einer Katzenfangaktion in die Falle gegangen. Eigentlich war die Falle nicht für ihn gedacht, aber ihn einfach so wieder freizulassen, konnte ich dann doch nicht. Denn dem Findus fehlte ein Auge, er war gerade mal 4 Monate jung. So klein und schon so viel Leid erlebt. Er ist auf der Straße geboren und genau da hat er das Überleben lernen müssen. Findus war von Anfang an sehr scheu und überhaupt nicht menschenbezogen. Ein kleiner halbblinder Bub, der auf der Finca Noah und nach dem Umzug auf der Finca Noah 2.0 einfach eine sichere Umgebung bekommen hat und sein Leben mit Futter und Aufmerksamkeit, sofern er sie möchte, genießen sollte. Kein Überlebenskampf mehr, keine Gefahren mehr. Ich habe Findus plötzlich mit einem stark entzündeten Auge und einer blutigen Nase gefunden. Sofort haben wir ihn zum Tierarzt gebracht. Denn Findus konnte nichts mehr sehen und das Atmen fiel ihm durch die angeschwollene und blutige Nase zunehmend schwerer. Die Untersuchung und die Blutergebnisse waren besorgniserregend. Findus hat einen Calici-Virus im Auge und in der Nase. Wir haben versucht, sein Auge zu retten, indem der Tierarzt sein Augenlid nach oben nähte, sein Auge sozusagen schließt, und das Auge sich somit erholen konnte. Das Ergebnis nach einer Woche war immer noch das gleiche. Doch die Schmerzen wurden für Findus immer unerträglicher. Unser Tierarzt hat uns zwei Optionen genannt: das noch vorhandene Auge entfernen oder ihn vom Leid erlösen. Für mich war in dem Moment klar, dieser Überlebenskünstler hat eine Chance verdient. Zwar hat Findus kein Augenlicht mehr, aber er lebt. In seiner gewohnten Umgebung geht er mit seinem Handicap sehr souverän um. Ich konnte es kaum glauben, als er plötzlich auf mich zukam und sich um meine Beine schlich. Heute rufe ich ihn und er kommt zu mir. Er lässt sich streicheln und richtig kuscheln. Vor Freude lief mir eine Träne über die Wange. Ich bin ungemein froh, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Er strahlt so viel Ruhe und Zuversicht aus, sodass ich die Dankbarkeit seinerseits förmlich spüren kann. Für mich wäre es das Größte, wenn Findus ein liebevolles und sicheres Zuhause bekommt. Wir suchen seine passende Familie, wo er so sein darf, wie er nun mal ist. Vom wilden Straßenkater zum blinden Schmuser … manchmal ist es besser, sich auf seine Sinne zu verlassen als auf das, was man sieht.

Ich bedanke mich fürs Lesen meiner Zeilen.
Nadine De Tomi
