Animal Police Association
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September 2026

Liebe Leserinnen und Leser, dieses Mal geht es um die tägliche Bitte um Hilfe, um ein Kaninchen vom Autobahnrand, das über Nacht vierfache Mutter wurde — und um Abschied von unserem kleinen Kämpfer Findus.

September 2026

Liebe Leserinnen,
Liebe Leser,

Ich fange dieses Mal nicht mit einer Tierrettung an, im Sinne von: Ein verletztes oder misshandeltes Tier, sei es ein Hund, eine Katze, eine Ente oder ein Pfau, braucht dringend Hilfe.

Jeden Tag kontaktieren uns Menschen und fragen nach Rat oder Hilfe für ein Tier. In den meisten Fällen rufen uns die Hilfesuchenden an und sind am Telefon verzweifelt, hilflos, überfordert, aber dennoch erleichtert, endlich jemanden am Telefon zu haben, der die jeweilige Sprache versteht und nicht gleich auflegt, wenn sie uns sagen: „Ich habe eine Katze auf der Strasse gefunden.“ Diesen Satz hören wir täglich mehrmals, und das geht hier auf der Insel Mallorca jedem bekannten Tierschützer so. Nicht selten erreichen uns diese Anrufe nachts oder am Wochenende. Dann wird die erste tierärztliche Versorgung zwar schwieriger, aber dennoch machbar, wenn man bereit ist, einem Tier zu helfen und auch ein paar Unannehmlichkeiten auf sich zu nehmen. Wenn nicht klar ist, ob eine Ansteckungsgefahr jeglicher Art für unsere schon geretteten Tiere besteht, ist der Besuch beim Tierarzt nun mal ein Muss. Wir haben vom Platz her nicht die Möglichkeit, jedes gerettete Tier zu separieren, um abzuwarten, ob Krankheiten ausbrechen, dafür sind es im Moment einfach zu viele Notfälle. Daher muss JEDES Tier zuerst zum Tierarzt, nur so können wir sicher sein, dass keine Gefahr einer möglichen Ansteckung besteht.

Die meisten Menschen möchten von uns aber gar nicht hören, dass wir sie bitten, das hilfesuchende Tier selbst einzufangen, selbst zum Tierarzt zu bringen, die Kosten für den Tierarzt mitzutragen, uns das Tier zur Auffangstelle Finca Noah 2.0 zu bringen, geschweige denn eine Spende für das Tier dazulassen, damit die weiteren Tierarztkosten, die Pflege, die Medikamente etc. gesichert sind. Ganz oft heisst es: „Sie sind doch Tierschützer, holen Sie das Tier sofort ab, sonst …“

Ja, richtig gelesen, uns wird auch gedroht, die Pistole auf die Brust gesetzt sozusagen.

Nur zum Verständnis: Wir haben täglich knapp 300 Tiere zu versorgen, einen Hof, eine Finca, eine Auffangstelle zu pflegen und nach unserem kürzlichen Umzug die Stallungen wieder aufzubauen. Das Ganze machen wir neben unserem Job, denn der Tierschutz ist nur ein Hobby. Uns fehlt also die Zeit, um jedes Tier, das uns gemeldet wird, persönlich abzuholen. Wenn es in unserem Umkreis ist, bekommt man das organisiert, aber einmal quer über die Insel zu fahren, schaffen wir einfach nicht immer. Vor allem nicht täglich.

Da sind wir wirklich auf die Zusammenarbeit angewiesen, was aber leider nicht immer auf Verständnis stösst. An Ausreden, warum sie nicht weiterhelfen können, ausser den Tierschutz anzurufen, mangelt es den Menschen ganz gewiss nicht.

Wir sind wirklich dankbar, wenn es Menschen gibt, die einem verletzten Tier helfen möchten, es gibt ja auch Menschen, die einfach wegsehen und weiter Urlaub machen.

Eine Bitte an alle, die irgendwann einmal ein in Not geratenes Tier finden: Ruft nicht einfach den Tierschutz an und glaubt, damit ist es getan. Jeder Tierschützer, der verletzte Tiere aufnimmt, sie umsorgt, sie gesund pflegt und dafür sorgt, dass die Tiere ein schönes, sorgenfreies Leben haben, braucht Unterstützung.

Im Newsletter vom Monat August habe ich von Lorena und ihren Freunden berichtet. Wir haben sie durch einen Hilferuf ihrerseits für die Rettung eines wilden Schweins kennengelernt.

Lorena ist ein Herzensmensch mit so viel Empathie für die armen Seelen, das haben wir hier auf Mallorca von den Spaniern bzw. Mallorquinern ganz selten erlebt. Daher fiel es uns auch ziemlich leicht, ihr unsere Hilfe und Erfahrung anzubieten.

Lorena war jetzt schon mehrmals am Wochenende auf der Finca Noah 2.0, um uns bzw. den Tieren zu helfen. Auch das ist nicht selbstverständlich, immerhin hat sie eine Stunde Anfahrt, was für die meisten hier eine Weltreise bedeutet.

Vor zwei Wochen hatte Farah Lorena wieder ganz aufgelöst am Telefon. Wie gesagt, sie ist ein Herzensmensch und ist immer gleich mit den Nerven am Ende, wenn sie ein Tier findet, das hilflos umherirrt. Irgendwie sympathisch, aber zuerst müssen wir immer erst ihr helfen, bevor wir dem Tier helfen können.

Der Onkel von Lorena hat ein Kaninchenweibchen auf der Autobahn in Palma de Mallorca gefunden. Das Kaninchen sass mutterseelenallein am Strassenrand. Für uns unbegreiflich, wie ein Kaninchen den Weg dorthin findet. Der Onkel hat das Kaninchen sofort eingefangen und in Sicherheit gebracht. Sie sind mit dem Kaninchen zum Tierarzt gefahren, um sicherzugehen, dass es keine Verletzungen hat. Da wir zwischenzeitlich schon zugesagt hatten, das Kaninchen bei uns aufzunehmen, wurde sie gleich geimpft.

Bei der Untersuchung gab es eine Überraschung. Nein, nicht nur eine. Das Ultraschallbild zeigte 4 kleine Babys. Da diese innerhalb weniger Stunden geboren werden können, musste das Kaninchen noch am gleichen Tag bei uns einziehen. Auch das war für Lorena und ihren Onkel selbstverständlich, dass sie uns das Kaninchen bringen, so konnten wir die Zeit nutzen, um ihr neues Zuhause herzurichten. Sie fing gleich an, sich das frische Gemüse schmecken zu lassen. Wer weiss, wie lange sie unterwegs war, wie viele Tage sie ohne Wasser und Futter war.

Am nächsten Morgen waren wir alle ein wenig aufgeregt. Wir haben vorsichtig einen Blick ins Häuschen geworfen: Vier kleine nackige Etwas wuselten darin umher. Mit einer so schnellen Geburt haben wir nicht gerechnet. Mami hatte nicht einmal Zeit, um ein Nest zu bauen, das sie normalerweise aus dem eigenen Fell, der Unterwolle, macht.

Damit es den 4 Kleinen gut geht und sie warm und weich liegen, haben wir Nestwatte besorgt. Für den Rest sorgt Mami tatsächlich selbst. Die Kleinen wachsen und gedeihen, mittlerweile sieht man auch, welche Fellfarbe jeder Einzelne der Kleinen hat. Sie kommen alle nach der Mami. Die Zähnchen sind schon vorhanden, und das nach nur einer Woche. Sie trauen sich ab und an aus ihrem Nest heraus und schauen ganz neugierig.

Wir möchten gar nicht darüber nachdenken, was passiert wäre, wenn der Onkel von Lorena nicht sofort gehandelt hätte. Am Strassenrand der Autobahn ist definitiv kein sicherer Ort, um 4 Kaninchenbabys zur Welt zu bringen. Das hätten sicher alle 5 nicht überlebt. Ihr möchtet gar nicht wissen, was wir demjenigen, der das Kaninchen vermutlich dort ausgesetzt hat, wünschen …

Ein kleiner Kämpfer

Im Monat Juli habe ich von dem kleinen Kater Findus berichtet.

Ein pechschwarzer Kater, der uns bei einer Fangaktion in einem Messie-Haushalt, in dem über 60 Katzen gelebt haben, in die Falle gegangen ist. Vom ersten Moment an wusste ich: Er ist etwas Besonderes. Er hatte nur noch ein Auge, warum, weiss man nicht. Er war ein wilder Kater, die Nähe zu den Menschen hat er gemieden. Findus bekam seine Freiheit, die er brauchte, und war ein glücklicher Freigänger.

Dann aber wurde er krank. Eine starke Entzündung in Auge und Nase. Die Diagnose vom Tierarzt hat mir fast das Herz gebrochen. Er hat den unheilbaren Calicivirus in Auge und Nase. Eine langwierige medizinische Behandlung musste Findus über sich ergehen lassen. Da Findus ein wilder Kater ist, ist eine regelmässige Medikamentengabe eine kleine Herausforderung, aber dringend notwendig. Wir haben uns gegen die Option vom Tierarzt entschieden und Findus nicht einschläfern lassen. Das Auge konnte der Tierarzt nicht retten, es musste operativ entfernt werden, Findus war demnach blind. Von dem Tag an merkte ich, dass er andere Sinne stärker nutzt. Seine lebensfrohe Art hat er nicht verloren, ganz im Gegenteil. Das tägliche Ritual, die Medikamente, wurde zunehmend leichter, denn Findus hat gemerkt, dass eine Menschenhand auch etwas Schönes sein kann. Sein Tageslicht hat er verloren, aber etwas ganz anderes, Schönes, Liebenswertes hat er gewonnen. Ich konnte ihn anfassen, streicheln und sogar auf den Schoss nehmen. Mit der Zeit hat er es sogar genossen, dass man ihm den Bauch krault, dass man ihm sein schönes Fell kämmt. Trotz Blindheit hat er mit dem Ball gespielt. Seine Katzenfreundin Stellina hat er leidenschaftlich gerne geputzt. Er ist ein richtiger Herzensbrecher geworden. Wir hatten das Gefühl, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Immer wenn ich bei ihm war und mit ihm geredet habe, hat er mich angesehen. Nicht mit seinen Augen, sondern mit seinem Herzen. Er musste viel kämpfen in seinem kurzen Leben. Ein Jahr lang durfte ich an seiner Seite sein und ihm Trost geben, ihm nach jedem Tierarztbesuch beistehen, ihm sein Leckerli in den Mund stecken, denn sehen und riechen konnte er es nicht mehr. Findus ist friedlich eingeschlafen, ganz überraschend. Ich habe ihn auch auf seinem letzten Weg begleiten dürfen. Habe ihm ins Ohr geflüstert, dass wir auf seine Freundin Stellina aufpassen werden. Findus, ich vermisse dich schrecklich. Ich hoffe, du schaust von da aus, wo du jetzt bist, zu, wenn Stellina mit ihrem bestellten Rollwagen umherdüst.

Mach es gut, lieber Findus.

Danke für das geduldige Lesen meiner Zeilen.
Nadine De Tomi vom Animal Police Team

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