Juni 2026
Liebe Leserinnen und Leser, der Juni-Newsletter kommt verspätet — wir hatten schlichtweg zu viel zu tun. Dafür gibt es jetzt Updates zu Ziegenbock Willi, den 5 geretteten Galgos, Kater Findus und seinem Bruder Felix.

Liebe Leserinnen,
Liebe Leser,
Wir vom Animal Police Team, insbesondere ich, Nadine, möchten uns vielmals bei euch treuen Leserinnen und Lesern entschuldigen. Wir haben euch nicht vergessen und haben den Newsletter vom Monat Juni nicht mit Absicht nicht per E-Mail verschickt. Wir wollten euch die Tiergeschichten und Rettungsaktionen nicht vorenthalten — wir haben im Moment schlichtweg zu viel zu tun. Wir versorgen täglich unsere knapp 300 Tiere, organisieren währenddessen den Aufbau der Finca Noah 2.0, und am Nachmittag wird dann das gebaut, was am Morgen geplant wurde. Die Hilferufe der Touristen erreichen uns täglich mehrmals. Da der Tierschutz für uns ein Hobby ist und kein Beruf, gehen wir alle noch unserem Beruf nach. Unsere Tage sind demnach sehr lang. Die Zeit zu finden, euch die Tiergeschichten zu schreiben, war mir im Monat Juni zeitlich einfach nicht möglich. Ich hoffe, ihr seid nicht allzu enttäuscht und fiebert weiterhin mit uns.
Ganz viele von euch haben Farah und auch mir ein positives Feedback bezüglich des emotionalen letzten Newsletters gemeldet. Mit den Tiergeschichten und den Rettungsaktionen habe ich ganz viele von euch im Herzen berührt, sogar Tränen sind geflossen. Ihr drückt uns ganz oft die Daumen, fiebert und leidet mit uns. Ihr unterstützt die Tiere, der ein oder andere kommt auch persönlich vorbei und schenkt den Tieren Aufmerksamkeit. Danke dafür. Ich habe euch in den letzten Wochen von vielen Notfällen erzählt. Jetzt möchte ich euch gerne ein kleines Update geben, wie es den Tierchen nach viel Pflege und Liebe ergangen ist.
Der kleine Ziegenbock Willi, der in den mallorquinischen Bergen verletzt und mutterseelenallein gefunden wurde, musste wochenlang an seiner Verletzung am Bein behandelt werden. Die Verletzung war so schlimm, dass der Tierarzt schon von Amputation gesprochen hat. Wir haben uns eine zweite Meinung eingeholt. Mit viel Geduld, regelmäßigem Behandeln der Wunde, Wundreinigung und alle zwei Tage Verband wechseln gab uns die Tierärztin Hoffnung, dass alles wieder gut wird. Die Aufgabe und Verantwortung haben wir gerne auf uns genommen. Es hat wirklich lange gedauert, bis wir sagen konnten: Die Wunde ist geschlossen, die Infektionsgefahr vorbei und der Verband kann endlich weg. Jedes Mal, wenn ich den Verband gewechselt habe, habe ich so sehr gehofft, dass der Fortschritt der Heilung schneller vorangeht. Nach wochenlanger Behandlung läuft Willi heute mit allen vier Beinen, springt, rennt, klettert und hat jeden Tag immer mehr Flausen im Kopf. Er ist ein kleiner Ziegenbock, der gerade bei Mensch und Tier ausprobiert, wie weit er gehen darf. Seine Freude, die er uns zeigt, wenn er mit seinen lustigen X-Beinen über Tische und Stühle läuft und klettert, ist für uns eher anstrengend — aber wer kann ihm schon böse sein? Wir sind der Meinung, die Arbeit hat sich gelohnt. Wir sind glücklich, dass Willi wieder bei bester Gesundheit ist.

Die 5 geretteten Hündinnen, die ihr Leben lang als Zuchtmaschinen missbraucht wurden und dem Jäger als Spielzeug dienten, aber niemals eine streichelnde Hand gespürt und auch niemals artgerechtes Futter in einem Futternapf hatten, kamen völlig verstört und verängstigt zu uns auf die Finca Noah 2.0. Dass sie jetzt auf einer warmen und weichen Decke schlafen dürfen, in einem Häuschen, das ihnen Schutz gibt, aus einem sauberen Napf fressen und trinken können, nicht mehr im eigenen Kot leben müssen und jetzt einfach nur Hund sein können — das brauchte Zeit, bis sie das verstanden haben. Jeden Tag vertrauen sie mehr. In den ersten Wochen waren sie immer direkt auf der Flucht, wenn man zu ihnen ins Gehege gegangen ist. Heute freut sich ein kleiner Teil der Mädelsgruppe, wenn sie sehen: Jetzt gibt es Frühstück und vielleicht auch ein Leckerli. Ich bin stolz darauf, sagen zu können, dass zwei der Galgos ihr Leckerli aus der Hand nehmen. Für mich ein Zeichen von Vertrauen, und ich weiß, dass es ein riesiger Schritt für die Galgos ist — hoffentlich folgen noch viele mehr. Ich glaube, wenn der Tag gekommen ist, an dem ich eine der 5 Hündinnen anfassen kann, wenn eine auf mich zukommt und mir zeigt: Ich habe keine Angst mehr — dann werde ich vor Freude eine Träne vergießen. Allein der Gedanke daran hinterlässt bei mir eine Gänsehaut. Es klingt vielleicht sehr absurd, dass man sich über solche Kleinigkeiten freut, aber bei diesen armen Seelen ist es das Größte.
Oft denke ich an den Ort, an dem die 5 Hündinnen ihr Leben lang eingesperrt — eigentlich muss man sagen: weggesperrt — waren. Zusammen mit dem Tierschutzverein Veto konnten wir 5 Hündinnen aus der Hölle befreien. Es warten noch 21, auch diese werden wir retten. Zwei große Tierschutzvereine, wir Animal Police und Veto, die Hand in Hand für das Tier denken und handeln, Großes bewegen möchten und sich für arme Seelen ganz stark machen. Auch ihr könnt ein Teil der Rettungsaktion sein … Jeder Cent / Schweizer Rappen kommt zu 100 Prozent bei den Tieren an.
Der kleine Kater Findus — ihm mussten wir sein krankes Auge entfernen lassen. Eine Entscheidung, die uns nicht leichtgefallen ist. Eine Viruserkrankung im Auge und in der Nase zwang uns zu entscheiden: blind oder für immer gehen lassen. Findus ist gerade mal knapp ein Jahr alt, hatte schon so viel Pech in seinem kurzen Leben, aber hat sich immer wieder zum Kämpfen entschieden. Findus hat sich sehr schnell daran gewöhnt, kein Tageslicht mehr sehen zu können. Ich rede viel mit ihm, beobachte ihn im Stillen und bin so fasziniert von dem kleinen Mann, wie er sein Leben meistert. Für mich unglaublich, die Wandlung von einem sehr scheuen und wilden Kater zu einem blinden, verschmusten und lebensfrohen Kater mitzuerleben. Ich kann ihm sein glänzendes schwarzes Fell kämmen und er genießt es. Ich finde es so schön, wie er sich auf seine sensiblen Sinne verlässt. Sein Gehör ist sicher empfindlicher geworden. Er spielt mit dem Besen Fangen. Er spielt mit seinem kleinen Ball Fußball, und durch das Gitter seines Geheges angelt er sich mit der Pfote die Vogelfedern. Wirklich faszinierend und sehr emotional berührend. Man kann fast schon sagen, dass das fehlende Augenlicht ihm geholfen hat, die Welt mit anderen Augen zu sehen. Ich bin so verliebt in den kleinen Mann und wünsche mir zugleich ein sicheres und liebevolles Zuhause für ihn. Seine eigene Familie, die ihm die Aufmerksamkeit, die Zeit und die Streicheleinheiten gibt, die er braucht und bei denen er aus der Vergangenheit scheinbar Nachholbedarf hat. Er hat es mehr als verdient!
Ihr seht, wir geben wirklich unser Bestes, um jedes Tier, das Hilfe, Pflege und ein Zuhause braucht, zu retten. Wir haben neben den täglichen Hofarbeiten und dem Aufbau der neuen Finca demnach alle Hände voll zu tun. Wir machen den Tierschutz mit Herz und voller Überzeugung, um den Seelchen, die ohne Hilfe keine Überlebenschance hatten, ein besseres Leben bieten zu können. Jetzt im Sommer, wo wieder viele Menschen auf den Straßen Mallorcas unterwegs sind, gibt es auch wieder viele Tierchen in Not, die entdeckt werden. Täglich erreichen uns mehrere Notrufe verschiedenster Art. Wir helfen wirklich überall, wo wir können. Wenn wir ein Tier in Not aus Platzgründen nicht bei uns aufnehmen können, telefonieren wir so lange herum, bis eine Lösung im Sinne des Tieres da ist. Wir suchen für unsere geretteten Tiere das Für-immer-Zuhause, die Familie, den besten Freund. Wenn wir für die geretteten Seelchen DIE Familie gefunden haben, haben wir auch wieder Platz für die vielen Notfälle.
Findus ist auf dem besten Weg, sich mit seinem Schicksal, seiner Krankheit zu arrangieren. Sein Bruder Felix hingegen hat vor Kurzem um sein Leben gekämpft. Felix ist ein Freigänger, läuft, spielt und schläft auf dem ganzen Grundstück herum. Zwei Tage lang war er nicht zu sehen, als Farah ihn plötzlich durch Zufall in der Futterkammer im Pferdestall entdeckt hat — stark humpelnd. Felix ist leider auch eine derjenigen Katzen, die mit Menschen eher nicht so viel zu tun haben möchten. Aufgrund seiner Verletzung war das Einfangen kein Problem. Die Diagnose nach der Untersuchung war erschreckend. Das Röntgenbild zeigte einen dreifachen Bruch an Hüfte und Bein. Felix musste zum Traumatologen verlegt werden. Seine Diagnose war noch viel schlimmer, ich war sprachlos — so etwas habe ich noch nie gesehen und gehört. Dass Felix solch eine Verletzung überlebt hat und sich noch fortbewegen konnte, ist für mich ein Wunder.
Die zweite Röntgenaufnahme zeigte das ganze Ausmaß der Verletzung: dreifacher Bruch am linken Bein, ein Nerv und Muskel am rechten Bein verletzt. Eine lebensbedrohliche Verletzung kam noch hinzu — Felix musste sofort notoperiert werden. Seine Organe wie Leber, Milz und Darm hatten sich in den Raum von Lunge und Herz verschoben. Auf dem Röntgenbild war nur noch eine weiße Masse zu sehen. Der Tierarzt zeigte mir ein Video von der Operation, die knapp eine Stunde dauerte. Er hat, kurz gesagt, die Organe wieder zurückgeschoben und die Trennwand zwischen den Organen und dem Herz-Lungen-Bereich geschlossen. Wenn ihr mich fragt: Ein Metzger arbeitet sicher ähnlich. Mit der Operation vom Bein möchte der Tierarzt noch warten, da Felix ein sehr junger Kater ist, gerade 1 Jahr alt, und die Heilungschancen ohne Operation laut Aussage des Tierarztes sehr gut stehen. Jetzt erholt sich Felix erst einmal von der Operation und wir hoffen, dass ihm eine zweite Operation erspart bleibt. Wir denken jetzt positiv und wünschen uns für Felix, dass er ganz schnell wieder gesund wird und schmerzfrei auf dem Hof der Finca Noah 2.0 herumtoben kann.

Ich sage vielen Dank für das Lesen meiner Zeilen.
Nadine De Tomi vom Animal Police Team
